Montag, 27. Mai 2013

Mit dem Rad durch Amerika

Abenteuer

25-Jährige aus Kaarst radelt von Feuerland nach Alaska

26.05.2013 | 15:13 Uhr (WR)
25-Jährige aus Kaarst radelt von Feuerland nach Alaska
Swinde on the road again.Foto: Swinde Wiederhold  (P.S.  Der Berg im Hintergrund ist der Mount Robson, 3954 m hoch, im gleichnamigen Provincial Park)
                   
McBride.   Tausende von Kilometern und ein Traum: Swinde Wiederhold aus Kaarst ist seit zweieinhalb Jahren mit dem Rad unterwegs in Amerika. Weihnachten will die 25-Jährige wieder daheim sein. Schon jetzt hat sie auf der Straße gelernt, dass sie alles erreichen kann.
Es ist ein sonniger Frühsommertag irgendwo in den kanadischen Rocky Mountains. Swinde Wiederhold schwingt sich vom Sattel und setzt den Radhelm ab. „Mir knurrt der Magen“, sagt sie und betritt ein Bistro in McBride, einem kleinen Holzfällerdorf am Fraser River. Sie bestellt sich ein Sandwich, dazu Kartoffelchips. Die Kalorien kann sie gut gebrauchen. Die 25-jährige Rheinländerin radelt seit zweieinhalb Jahren alleine quer durch den amerikanischen Kontinent: von Feuerland bis Alaska, 30.000 Kilometer, durch 15 Länder. Sie sagt, sie sei die jüngste Frau, die das je gewagt hat. Als sie im Winter 2010 in Argentinien startete, war sie 22 Jahre alt. Seitdem fährt sich mit 30 Kilo Gepäck auf ihrem Trekking-Bike nach Norden: durch die Anden, die Salzebenen Boliviens, über den Panama-Kanal, durch den Grand Canyon, in die Rocky Mountains. 6000 Kilometer hat sie noch vor sich bis zu ihrem Ziel in Prudhoe Bay am Arktischen Ozean in Alaska.

Wenn sie Hilfe braucht, fragt sie einen Einheimischen

Jetzt aber isst sie erstmal . „Das ist Luxus“, sagt sie. Normalerweise wärmt sie sich auf ihrem Benzinkocher unterwegs Nudeln oder Reis auf, manchmal Erbsensuppe. Ihre Unterkünfte sucht sie spontan. Entweder sie zeltet in der Wildnis, findet Obdach in einer Hütte am Wegesrand oder bei Bauern.

Sieben bis acht Stunden radelt sie am Tag. Auf Asphaltstraßen wie dem Yellowhead-Highway in Kanada schafft sie im Schnitt 100 Kilometer pro Tag. Auf Schotterwegen sind es manchmal nur zwanzig. Einmal ist ihr Bruder eine Weile mit ihr gefahren, später eine Freundin. Ansonsten fährt sie für sich. Ob sie keine Angst hat, als junge Frau alleine? Wiederhold schlürft ihren Kaffee und schmunzelt: „Nein. Wenn ich Hilfe brauche, dann finde ich meist einen Einheimischen.“

Zwei Marathonläufe als Vorbereitung

Mehr als 20 Mal hatte sie schon einen platten Reifen, dazu gerissene Fahrradketten, Pannen, fehlendes Gepäck. Auf den Hochebenen Boliviens wäre sie beinahe verloren gegangen, irrte umher, bis sie ein paar Minenarbeiter auflasen. An der Grenze zu Peru hätte man sie wegen eines fehlenden Stempels im Pass fast zurückgeschickt. In Kanada fand sie am Straßenrand Grizzly-Spuren und sah sich schon mit dem Bären im Zelt. „Auf einmal war ein riesiger Schatten über mir, und ich bekam Panik. Doch es war nur ein Hund.“
Für die Gefahren des Alltags ist die Kaarsterin schon berufsbedingt gut gewappnet. Sie hat bei der Polizei gearbeitet. Finanziert hat sie sich die Rekordfahrt durch Gespartes und den Verkauf von Reisefotos von unterwegs. Zur Vorbereitung absolvierte sie zwei Marathonläufe. „Ich wollte mir beweisen, dass ich es schaffen kann.“

An Weihnachten wieder zu Hause

Das hat geklappt. Die womöglich größte Herausforderung aber steht ihr noch bevor: die Rückkehr nach Deutschland. „Wer die Welt gesehen hat, für den ist ein geregelter Job als Beamtin nur noch schwer vorstellbar.“
Also will sich die Abenteurerin Deutschland vorsichtig nähern. Von Alaska wird sie nicht nach Düsseldorf fliegen sondern erst mal nach Portugal, um von dort über Frankreich nach Hause zu radeln. „Ich habe meine Eltern versprochen, an Weihnachten da zu sein. Danach will Swinde Wiederhold ein Studium der Dokumentarfotografie aufnehmen. Denn eines hat sie auf ihrer Tour gelernt: „Dass ich im Leben alles erreichen kann.“
(Jörg Michel)

Ich habe den Zeitungsartikel heute in der WR entdeckt. Natürlich habe ich mir stellenweise gleich die Internetseite der jungen Radlerin angesehen. Respekt. Bei dieser Leistung kann ich nur den Hut ziehen. Ich wünsche Ihr eine gute Weiterfahrt und eine gute Heimkehr, die zum Ende des Jahres geplant ist. Auf ihr Buch freue ich mich schon.

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