Freitag, 8. April 2011

„Zockermentalität unverändert“

Professor Max Otte : Plettenberg, 07.04.2011, Bernhard Schlütter (WR)
Mit gesundem Menschenverstand hat das Geschäftsgebaren von Investmentbanken nichts zu tun. Das ist die Überzeugung von Professor Max Otte, die er am Mittwochabend im Saal der Gaststätte Zur Post auf Einladung des SPD-Ortsvereins gut nachvollziehbar darlegte. „Das war ein Parforce-Ritt durch die Weltwirtschaft“, freute sich SPD-Vorsitzender Jürgen Beine. Otte lässt an Heuschrecken und Börsenhaien kein gutes Haar, greift die Investmentbanken in den USA an. Dort herrsche ein „Lug- und Betrug-System“. Aufgrund der unveränderten Zockermentalität auf den Finanzmärkten schlussfolgert Otte: „Die Krise ist noch nicht zu Ende.“ Karriere als Politiker kommt nicht in Frage Den Geschäftsmodellen der Sparkassen und der Genossenschaftsbanken stellt Otte ein gutes Zeugnis aus. Sie verfügten über einen hohen Eigenkapitalanteil und würden vernünftig wirtschaften. Banken, die sich unter Rettungsschirme stellen, vergleicht Otte mit einem Profifußballteam: „Läuft’s schlecht, zahlen die Aktionäre, läuft’s gut, kassieren die Spieler.“ Die Aktionäre, das sind im Banken-Fall die Steuerzahler. Dabei könnte die Politik mit wenigen Maßnahmen Änderungen erreichen. Wenn Otte Finanzminister wäre, würde er das Eigenkapital stärken, die Finanztransaktionssteuer einführen, Finanzmarktprodukte regulieren und private Ratingagenturen durch staatliche ersetzen. In die Politik will er aber nicht gehen, verrät Otte im Gespräch. „Da müsste ich mich einer Parteirichtung unterordnen. Jetzt kann ich meine Meinung sagen.“ CDU-Mitglied ist er seit vielen Jahren, nicht nur weil sein Vater in dieser Partei war. „Finanzpolitisch stimme ich mit der SPD überein“, gesteht er freimütig. Im Nachhinein gibt er auch Oscar Lafontaine Recht, der 1998 die Regulierung der Banken forderte. „Das hat ihm Joschka Fischer ausgeredet. Der ist heute unter Lobbyisten gegangen. Fischer ist für mich einer der korruptesten Politiker überhaupt“, sagt Otte und bekommt auch dafür Beifall von den 320 Zuhörern.


Für mich bleibt die Frage offen, welche Politiker oder welche Parteien legen diesen Zockern Handschellen an? Egal ob in der EU oder in den USA.

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